Wie kann ich mich weniger mit anderen vergleichen - Bali Ubud Reisfelder

Wie kann ich mich weniger mit anderen vergleichen?

Heute springe ich über meinen Schatten und schreibe über das, was immer wieder an mir zerrt: Das Vergleichen. Ich schreibe über meine Baustelle. Für euch. Und für mich. Weil ich glaube, dass wir nur eine Antwort auf die Frage „Wie kann ich mich weniger mit anderen vergleichen?“ finden können, wenn wir hinter unsere Fassade blicken, die Ursachen und die damit verbundenen Gefühle entdecken – und langfristig zu UNS stehen. Ein Erfahrungsbericht, eine SOS-Hilfe und Tipps zur Prophylaxe.


„Vergleiche dich nicht mit anderen, es bedeutet sinnloses Leiden. Jeder Mensch ist unvergleichlich. Darum brauchen wir niemanden zu beneiden oder zu verachten.“
— Unbekannt

Klingt gut.

Also hören wir ab jetzt auf, uns mit anderen zu vergleichen.

Und hat es geklappt?

Also, bei mir nicht.

Nicht sofort, nicht jeden Tag. Denn ich bin kein Roboter. Und ich denke du auch nicht. Und das ist ok.

Es gibt leider diese Zeiten, in denen wir uns klein machen und an anderen orientieren, uns Druck machen, bis plötzlich alles streikt; der Kopf, der Körper und wir gar nicht mehr wissen, wer wir eigentlich sind und was wir eigentlich wollen.

So wie heute bei mir.

[Dieser Text fand seinen Ursprung vor knapp zwei Monaten. Damals, an diesem Tag, verglich ich mich stark mit anderen.]

Mein Erfahrungsbericht

Irgendwann im Oktober. Irgendwo auf Bali.

Alles ist toll, alles ist wunderbar. Ich wandere durch die Welt und bin voll da, spüre die Wärme auf der Haut, sehe die Farben, rieche die Tropen und spüre eine innere Leichtigkeit, die mich zum Lächeln bringt.

Ich freue mich darauf, in Ubud zu arbeiten, liebe meine eigenen Projekte, bin stolz darauf, dass ich auf mich selbst höre und mich auf das konzentriere, was mir Spaß macht und gut tut.

Beim Yoga am Abend bin ich ganz bei mir; ich beobachte meine Gedanken und Gefühle, ohne mich von ihnen einnehmen zu lassen. Wenn ich nach der abschließenden Meditation die Augen öffne, durchflutet mich Gelassenheit.

Ich denke: Ich bin so dankbar für alles und unglaublich glücklich.

CUT | Oder: Was machen die anderen?

Einige Tage später ist alles tunnelig. Schon am Abend zuvor verliere ich mich viel zu lang in Instagram-Stories und Facebook-Werdegängen anderer Blogger.

  • Der Reiseblog XY hat schon 10.000 Follower bei Instagram.
  • Das neue Projekt von XY ist sofort eingeschlagen und bekommt massig Reichweite.
  • Der Facebook-Posts von XY wurde hunderte Male geliked.

Noch während ich die sozialen Netzwerke durchforste, kommt ein negatives Gefühl in mir auf. Meine Gedanken überschlagen sich und schubsen sich gegenseitig in ein Loch ohne Boden, das dunkler und dunkler wird:

„Wieso bin ich nicht so erfolgreich? Wieso habe ich nicht zehntausende Follower bei Instagram? Wieso schaffe ich es nicht, so viele Projekte zu realisieren?“

Das Handy, das schalte ich nicht ab. Natürlich nicht. Ich klicke weiter. Hier und da und überall.

Ich kann schwer einschlafen und wache am Morgen gerädert auf. Die Gedanken vom Vortrag sind sofort präsent. Zu ihnen gesellen sich weitere:

„Jetzt bin ich hier im Paradies, habe alles, was ich wollte, und fühle mich schlecht. Ich will mich nicht schlecht fühlen. Wieso arbeite ich nicht so viel wie manch anderer Blogger? Wieso habe ich nicht superviel Spaß, wenn ich zehn Stunden arbeite. Wieso, wiesooooooo nur?“

Ihr merkt: Ich bugsierte mich ziemlich schnell in die Position des Opfers, einer Rolle, in der wir das Gefühl haben, keinen Einfluss zu haben, vor allem nicht auf uns selbst.

Wir fühlen uns überrannt und machtlos.

Weil wir uns von Allem und Nichts abhängig machen und unser Leben aus der Hand geben.

Das Resultat?

Mein Kopf schmerzte, mein Fokus wurde enger; ich sah nur noch das, was nicht gut lief. Und ich war wütend. Auf mich, auf alle, auf die ganze Welt!

Ich spürte einen Druck auf der Brust. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich ihn kommen sehen – und ihn ignoriert.

Das war nicht kluk.


SOS-Tipps: Wieso vergleiche ich mich auf einmal so stark mit anderen?

Darüber machte ich mir ziemlich spät Gedanken. Nach Tagen des Aufs und Abs, weil mir irgendwann bewusst wurde, dass Verdrängen keine Lösung ist. Und daran möchte ich dich teilhaben lassen.

Vielleicht kann dieses SOS-Programm auch dir eine Antwort auf die Frage „Wieso vergleiche ich mich gerade so sehr mit anderen?“ geben.

Zwar liegen bei jedem Menschen Ursachen und Auslöser woanders, doch fast immer hat das starke Vergleichen mit einem kränkelnden Selbstwertgefühl zu tun – und damit, dass man nicht 100-prozentig zu sich selbst steht, zu dem, was man will und fühlt.

Man hat sich schlichtweg aus den Augen verloren.

Um sich wieder zu sehen, hilft es jedoch nicht, gegen sich zu kämpfen oder sich dafür zu schämen, dass man sich mit anderen vergleicht.

Im Gegenteil.

Viel hilfreicher ist es, – und das möchte ich dir im Folgenden zeigen -, sich seiner Gedanken, Gefühle und deren Ursachen bewusst zu werden, ohne sie zu verdrängen oder zu bewerten. Sie in den Blick zu nehmen, zu verstehen und ziehen zu lassen.

Mit jedem Moment lernst du Neues über dich. Du lernst, deine Gedankenmuster und Glaubenssätze kennen, du lernst, sie zu hinterfragen und durch neue, positive Gedanken zu ersetzen.

Und ganz bald wirst du gewisse Zeichen deuten können, bevor das Tief kommt und dich mitzerrt.

Los geht´s mit dem „Warum vergleiche ich mich so stark SOS-Programm“!

Ich atme tief durch, gehe in eine Umgebung, die mir gut tut und nehme eine objektive, beobachtende Haltung ein.

Ich stelle mir ganz ruhig folgende Fragen (z. B. indem ich sie aufschreibe):

Welche negativen Gefühle tauchten zuerst auf?

Da war diese Wut. Ich war wütend auf mich, weil ich das Gefühl hatte, nicht so erfolgreich zu sein wie andere. Ich machte mich klein, dafür, dass ich zu wenig arbeite, zu wenig Social unterwegs bin, zu wenig neue Projekte realisiere …

Kurzum: Ich wollte SOFORT ein supererfolgreiches Blogger-Digital-Nomaden-Kreativ-Brain sein. ABER SOFORT.

Was ist zuvor passiert?

Ich war einfach unglaublich glücklich und beflügelt, von Bali, den Yogastunden, meiner Arbeit, dem Leben hier. Wenige Tage vor dem Tief sprach ich diesen Gedanken laut aus. Und spürte im selben Moment ein nervöses Flattern, das ich nicht deuten konnte (oder wollte).

Jetzt weiß ich: Das war Angst. (In vielen Büchern habe ich gelesen, dass Wut ein Zeichen für Angst ist.)

Wovor könnte ich Angst haben?

Dass mir jemand das alles wegnimmt, was mich so erfüllt.

Wer könnte mir das wegnehmen?

Eigentlich niemand. Nur ich selbst. Vielleicht habe ich also Angst zu versagen und das alles nicht zu schaffen.

Warum?

Naja, weil ich mich gerade mit meinem Traum, dem Schreiben und meinen Erkenntnissen, selbstständig mache und Menschen meine Texte und Gedanken ja auch mögen müssen, sonst werde ich damit kein Geld verdienen können.

Und weil sich das „freie“ Jahr nun langsam dem Ende zuneigt, einem Jahr, in dem ich mir alle Freiheiten gegeben und den Druck herausgenommen habe.

Aber jetzt, was kommt jetzt? Muss ich mich jetzt nicht mal langsam „am Riemen reißen“?

Jetzt darf ich mich nicht mehr auf meinen Lorbeeren ausruhen. Ich bin 30! Jetzt will ich selbstständig sein, also muss ich Gas geben, erfolgreich sein, los, los, los.

Interpretation

Meine unterbewusste Angst raubte mir mein Selbstbewusstsein, ohne dass ich das richtig merkte. Sie bahnte sich ihren Weg in mein Herz. Deshalb verglich ich mich mit anderen Bloggern und hatte das Gefühl, genau so sein und handeln zu müssen, wenn ich erfolgreich sein möchte.

Ich setzte mich unter Druck.

Das Blöde: Ich orientierte mich an Menschen, zu denen ich aufblicke, die aber ganz anders arbeiten als ich: YouTuber, Social-Media-Profis, Full-Time-Worklovers.

Dabei möchte ich weder Videos drehen, noch täglich Social-Posts veröffentlichen, noch 12 Stunden am Tag arbeiten. Und zwar nicht, weil ich faul bin, sondern weil ich dadurch meine Grenzen quasi niedermetzeln würde. Ich verglich Äpfel mit Birnen.

Und trotzdem verlangte ich von mir, GENAU SO zu sein. Ich wollte schlichtweg nicht schwach sein.

Ich missachtete also meine Prioritäten, meine Stärken, meine Ziele und stülpte mir einfach die Lebens- und Arbeitsweise von anderen über.

Dass das nicht klappt, liegt auf der Hand. Und dass mich das nicht glücklich macht, ebenso. (Mehr dazu im Artikel: Sich abgrenzen lernen)

Und noch mehr: Ich nahm an, dass diese Menschen erfolgreich und sehr glücklich sein müssen. Doch woher kann ich das wissen, ohne je mit ihnen gesprochen zu haben?

Ich ging einfach davon aus, dass den anderen Bloggern das ganze Glück und der ganze Erfolg einfach zufließt. Dass sie das alles können. Einfach so. Und ich nicht.

Natürlich zeigt fast jeder auf den Social Media Kanälen nur seine beste Seite, strahlend, hüpfend und voller Power. Und genau deshalb ist der maßlose Social-Konsum ziemlich fatal für jemanden, der dazu neigt, sich mit anderen zu vergleichen und die Realität aus den Augen zu verlieren.

Schon Aufklärer Montesquieu wusste: „Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“

Auch Wissenschaftler aus Utah beobachteten, dass Studenten umso eher die Ansicht vertraten, ihren Freunden gehe es generell besser als ihnen selbst, je mehr Zeit sie auf Facebook verbrachten. Umgekehrt gilt: Wer weniger Zeit im sozialen Netzwerk verbringt, empfindet das Leben eher als fair. (Quelle: Tagesspiegel.de, aufgerufen am 05.01.2017)

Das spüre ich auch bei mir selbst: Je länger ich in sozialen Netzwerken unterwegs bin, desto stärker rücke ich von mir und dem Moment ab und desto mehr habe ich das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Maßnahmen

Man würde meinen, dass die o. g. Ursachen und Auswirkungen ja alle auf der Hand liegen. Glasklar! Aber manchmal tut es das eben nicht. Manchmal wollen wir uns mit „Schwächen“ so wenig auseinandersetzen, dass sie sich erst Tage oder Wochen später durch (emotionale) Tiefs oder sogar Krankheiten einen Weg bahnen.

Je früher wir unsere negativen Emotionen liebevoll entschlüsseln, desto eher können wir im Reinen mit ihnen sein.

Durch meine objektive, freundschaftliche Analyse hat sich ein fester Propfen in mir gelöst, ein großer Aha-Moment kam und mit ihm eine klare Sicht auf die Dinge, die WIRKLICH da sind.

Die Angst verschwand sofort und ich konnte zu meiner Basis zurückkehren.

Außerdem überlegte ich mir noch einmal ganz klar, was ICH in meinem Leben erreichen will bzw. wie ich  mir mein Leben vorstelle, was MIR wichtig ist und schrieb das ganz dick in mein Notizheft auf Seite 1.

Und ich machte mir bewusst, dass ich genau mit dem, was ICH machen möchte, doch eigentlich schon erfolgreich bin (Ferndurst). Das vergesse ich nämlich gern mal in Zeiten des Vergleichens.

Und diese Erkenntnis zeigte mir noch mehr: Während sich einige Menschen durch herausfordernde Ziele motivieren können („Yeah, ich werde 2018 ein supererfolgreicher Autor! Geilo!“), setzt mich so etwas stark unter Druck. Denn ich brauche Ziele, die mich von innen heraus motivieren.

Und so ist es immer. Wir können nicht das, was andere machen/denken/wollen, 1:1 auf uns übertragen. Wenn wir das tun, werden wir garantiert unglücklich.

Es gibt nie DEN einen Weg, in vielerlei Hinsicht. Was dem einen hilft, muss nicht für Jedermann gelten. Und das bedeutet wiederum, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, was ihn bedrückt und was ihn glücklicher machen könnte. Das ist eine Aufgabe, klar, aber gleichzeitig birgt diese auch die Gewissheit, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben, wenn wir uns nicht als Opfer, sondern als Gestalter sehen. 

Und damit kommen wir zum zweiten Teil dieses Textes:


PROPHYLAXE: Diese 12 Schritte helfen dir, dich langfristig weniger mit anderen zu vergleichen

Wenn wir uns mit anderen vergleichen, wollen wir die oder der Beste sein. Wir wollen normal sein, reinpassen und trotzdem herausstechen. Wir wollen wie alle sein, aber besser.

Im Grunde fühlen wir uns aber erst wohl, wenn wir uns so akzeptieren, wie wir sind und unser wahres Gesicht zeigen können.

Durch das Streben nach dem Perfekten sperren wir jedoch einen Großteil unseres Ichs aus – dadurch fällt es uns am Ende schwerer, uns anerkannt zu fühlen.

Die Folge: Wir vergleichen uns noch stärker mit anderen.

Sich nicht zu vergleichen, ist leider kein Punkt, den man einfach so von seiner To-Do-Liste abhaken kann und der dann für immer erledigt ist.

Es erfordert Arbeit und konstantes Bewusstsein. Denn gerade in herausfordernden Zeiten tendieren wir dazu, uns mit anderen zu vergleichen, weil unser Selbstwertgefühl niedrig ist.

Zu diesem Thema schreibe ich gerade einen ausführlichen Artikel, aber zur Frage „Wie kann ich mich weniger mit anderen vergleichen“ sind das die Bausteine, die mir immer wieder helfen, aus der Konkurrenz-Falle zu klettern.

Meiner Meinung nach bauen die folgenden Schritte aufeinander auf und führen weg von dem Gefühl, nicht gut genug zu sein, hin zu:

Ich akzeptiere mich selbst, führe mein Leben so wie es mich erfüllt und bin dankbar für all die Liebe und Chancen, die mich umgeben.

„Das Gute gibt es nicht – es geht darum, was gut für dich ist.“ Frédéric Lenoir, französischer Philosoph

Schritt 1: Raus aus Social Media

Wie oben schon beschrieben, bilden die sozialen Medien eine Scheinwelt ab. Je stärker wir uns in ihr verlieren, desto weniger präsent sind wir im echten Leben.

Normalerweise vergleichen wir uns in der Realität nämlich mit Menschen, die uns ähnlich sind, die wir persönlich kennen, die uns inspirieren und und uns vielleicht sogar auf unserem Weg helfen könnten.

In dieser Situation ist das Vergleichen vielmehr ein Voranschreiten, es spornt uns an.

Biopsychologe Walschburger sagt auf Tagesspiegel.de, dass Neid sogar einen evolutionären Zweck hätte, denn er offenbare uns Wünsche und treibe uns zur Leistung an. Dass wir uns ständig minderwertig fühlen, sei aber nicht lebenstauglich.

Dieses Gefühl der Minderwertigkeit findet eine Ursache im Internet – wir vergleichen uns mit Menschen, die wir nicht kennen; wir wissen weder etwas über ihre Lebensumstände, noch über ihre „Vorgeschichten“, Fähigkeiten, Ziele, Werte, Herausforderungen oder Stolpersteine.

Nada.

Nur wenn wir uns dem Scheinsog der Social Media Welt entziehen und diese realistisch betrachten, können wir Instagram, Facebook und Co. zum Spaß an der Freude nutzen.

Wenn du dich aber gerade stark mit anderen vergleichst, heißt es: Raus da. SCHNEEEELL!

Und zurück zu dir:

Schritt 2: Wünsche, Lebensziele und Stärken aufschreiben

Wir haben nur ein einziges Leben. Das vergessen wir im Wust des Alltags leider viel zu häufig.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um dir folgende Fragen zu stellen:

  • Wie möchtest du dein Leben leben, ganz frei von jeglichem Müssen und Sollen? 
  • Was macht dich glücklich, was macht dir Spaß, worin gehst du auf?
  • Was möchtest du später deinen Enkeln über dich erzählen, was möchtest du ihnen mitgeben?
  • Welche Momente in deinem Leben zaubern dir ein Funkeln in die Augen – wovon möchtest du mehr erleben?
  • Was sind deine Werte, was ist dir wichtig?

Selbstbeweihräucherung (was für ein Wort!) ist hierbei ausdrücklich erlaubt. 😉

Tipp: Schreibe dir all das, was dir wichtig ist, auf und platziere den Zettel dort, wo er dir jeden Tag über den Weg läuft.

Schritt 3: Aufschreiben, was man nicht machen oder sein möchte

Hand aufs Herz: Was machst du oder wonach strebst du manchmal, auch wenn du im Grunde weißt, dass es dich nicht glücklich macht? Was findest du sogar richtig ätzend, was hält dich auf, was bringt dich in einen Konflikt?

Was hast du z. B. von deinen Eltern, alten Freunden, Lehrern oder sonstigen Vertrauenspersonen übernommen, das eigentlich gar nicht richtig zu dir gehört?

Die Worte Müssen und Sollen sind hierbei ausdrücklich nicht erlaubt. 😉

„Wenn wir zwanghaft versuchen, jemand anderes zu sein, verbrauchen wir massenhaft Energie, fühlen uns ausgepowert und unzufrieden – und gleichzeitig gefangen.“

Deshalb habe ich für mich aufgeschrieben, was ich nicht machen möchte – beruflich wie privat. Diese Notizen schaue ich mir möglichst an, sobald ich dazu neige, mich in eine Richtung zu drücken, die sich nicht gut anfühlt.

Ich frage mich dann: Ist mir das wirklich wichtig? Wer sagt, dass ich das machen muss? Gibt es eine Zwischenlösung, die sich passend(er) für mich anfühlt?

Das klappt nicht immer auf Anhieb, aber immer besser.

Hab Geduld und begegne dir mit Mitgefühl. Schreibe all die Dinge auf, die du nicht machen möchtest, und platziere diese sichtbar.

Schritt 4: Sich mit Menschen umgeben, die einem gut tun und das Gefühl geben, man selbst sein zu dürfen

Nothing more to say.

Schritt 5: Vermeintliche Schwächen nicht als etwas Schlechtes ansehen …

… sondern als etwas, das uns zu einem individuellen Menschen macht.

Jeder hat seine Baustellen, und das ist gut so! In was für einem Einheitsbrei würden wir sonst leben? Je offener und liebevoller wir mit unseren „Macken“ umgehen, desto eher können wir sie akzeptieren, sagte die langsam locker lassende Perfektionistin. 😉

Doch im Ernst: Diese wichtige Schritt hat sich mir schon ziemlich oft deutlich offenbart. Denn sobald ich eine von mir als Schwäche angesehene Eigenschaft nicht akzeptiere und dagegen rebelliere, wird alles schlimmer. Dann vergleiche ich mich mit anderen und mache mich klein.

Sobald ich aber zu mir stehe und die Schwäche offen kommuniziere, löst sich der Druck und mein Kopf ist plötzlich wieder frei.

Und das Beste: Dann habe ich Lust, meine Komfortzone zu verlassen und an mir selbst zu arbeiten. Einfach, weil ich es spannend finde und nicht möchte, dass mich gewisse Blockaden im Kopf daran hindern, glücklich zu sein.

Deshalb der nächste Tipp:

Schritt 6: Nicht perfekt sein wollen

Manchmal versuchen wir durch das Streben nach Perfektion, Fehler zu vermeiden und der Außenwelt einen mustergültigen Eindruck von uns zu vermitteln.

Dadurch wollen wir uns vor Kritik und Zurückweisung schützen. Doch wir kritisieren uns dabei im Prinzip selbst und zwar kontinuierlich. Wir begegnen uns mit Härte und schenken uns wenig Mitgefühl.

Dabei können wir es nie erreichen, perfekt zu sein. Denn dann müsste es irgendwo einen Plan geben, der für alle gelten würde.

Stolpersteine müssten vermieden werden, man würde aufhören zu wachsen, sich verschließen und sich letztlich wieder mehr mit anderen vergleichen – es würde also alles nur schlimmer werden.

Was hilft? Die persönliche Messlatte niedriger setzen, weniger von sich selbst verlangen, mehr auf das eigene Gefühl hören und sich fragen:

Was passiert wirklich, wenn ich das nicht bis ins kleinste Detail „perfekt“ mache oder perfekt reagiere, sondern zulasse, dass ich einfach nur ein Mensch bin? (Natürlich ohne andere Menschen zu verletzen, sondern indem man offen und erwachsen kommuniziert.)

Tipp: Einfach mal bewusst unperfekt sein, um überhaupt zulassen zu können, dass man noch etwas lernen darf – und registrieren, wie viel man wirklich über sich und andere lernt, wenn man locker lässt. Dazu gehört auch:

Schritt 7: Registrieren, wenn man andere Menschen ver – und beurteilt …

… und sich fragen, mit viel Mitgefühl: Warum tue ich das gerade?

Eine für mich ziemlich bahnbrechende Erkenntnis war nämlich: Wenn wir andere Menschen verurteilen für das, was sie tun oder sagen, verurteilen wir uns meist selbst für genau diese Dinge – und erlauben uns nicht, so zu handeln.

Wenn wir das verstehen, setzen wir einen riesengroßen Schritt in Richtung erfülltes und authentisches Leben. Denn sobald wir mehr Verständnis für andere haben, stellt sich automatisch mehr Verständnis für uns selbst ein.

Leben – und leben lassen.

Beispiele:

  • Du findest es blöd, dass XY so viel auf Facebook postet. Dadurch erlaubst du dir selbst nicht, etwas zu posten (weil du das ja an jemand anderem kritisiert hast), obwohl du es vielleicht gern möchtest. Du setzt dir Grenzen.
  • Du findest es blöd, dass sich jemand im Familienurlaub ein wenig zurückzieht, ein Buch liest, einen Spaziergang macht. „Wir sind doch hier, um Zeit miteinander zu verbringen.“ Dadurch erlaubst du dir selbst auch nicht, dir ein bisschen persönliche Auszeit zu gönnen, wenn du sie brauchst.
  • Du verurteilst jemanden, wenn er beim Sport eine Pause macht und bist seeehr stolz auf dich, dass du heute super gut bist. Dadurch gönnst du dir selbst keine Pause, wenn du sie brauchen könntest – vielleicht nicht heute, aber morgen – und sendest dir indirekt die Botschaft: Nur wenn ich die Beste bin, darf ich stolz auf mich sein. MÖP.
  • Du ärgerst dich darüber, dass sich XY nicht regelmäßig meldet und wenn er sich meldet, nur kurz antwortet. Dadurch legst du dir unterbewusst selbst auf, immer sofort zu reagieren, lange Nachrichten zu schreiben – selbst wenn auch dir manchmal gar nicht danach ist.
  • Du bist lange genervt, weil jemand zickig reagiert oder schlecht gelaunt ist und steigerst dich rein. Dadurch sendest du dir selbst die Botschaft: Nur wenn ich gut drauf bin, bin ich liebenswert.

Die Liste könnte ich unendlich lang weiterführen. Erkennst du dich vielleicht auch wieder?

Schritt 8: Achtsamkeit

Nimm Veränderungen in den eigenen Emotionen und Gedanken wahr (z. B. mithilfe von Yoga, Meditation, einem Spaziergang oder einfach Momenten der Ruhe) und entschlüssele die Ursachen, ohne sie zu bewerten – siehe SOS-Tipps.

„Thoughts aren´t facts. So don´t take them too serious.“

Sehr spannend in diesem Zusammenhang finde ich diesen Text von Alex Mathers auf dem Blog Red Lemon Club: „Four powerful mindset fundamentals I use to feel energised and happy“.

Ein kleiner Auszug:

„I’m always at my lowest when I take myself too seriously; when I’m doing everything to maintain a flawless personality; when I’m trying to look good in front of others.

All this communicates is subordination and weakness, and it makes me feel awful.

There is no such thing as ‘personality.’

Being shy, extroverted, excited, and depressed are only fleeting states. They, therefore, cannot be personalities.

You are you. Multi-layered.

When I believe in personality, I try to protect it, and I cannot take risks. I am nervous. I care about what others might think of me.

The only thing you need to focus on is value and continually upgrading it.

Strive towards building your value in all areas: your skills; your health; your products; your creations; your investments; your ability to lift others up. Focus on being useful and leaving a legacy.“

Schritt 9: Anderen Menschen ihr Glück gönnen

Lass dich inspirieren und inspiriere andere. Versuche aktiv, dich auf gute Gedanken und gute Absichten zu konzentrieren.

Am Ende geht es in einem erfüllten Leben doch nur darum, wer wir sind und nicht was wir besitzen. Es geht darum, aufeinander Acht zu geben und uns gegenseitig zu unterstützen; dabei, unseren Weg zu finden und Träume zu verwirklichen, Herausforderungen zu begegnen und uns der Welt zu öffnen, so wie sie gerade ist.

Jeden Tag.

→Mehr dazu: Negative Gedanken machen – wie wir das Karussell stoppen können

Schritt 10: Das große Ganze sehen – und Dankbarkeit kultivieren

Immer wenn wir uns mit anderen vergleichen und uns dabei schlecht dastehen lassen, verbeißen wir uns in einem kleinen, negativen Detail und können nicht mehr das facettenreiche Gemälde sehen, das uns eigentlich abbildet.

Wir sehen nicht das, was UNS alles ausmacht, was WIR schon erreicht haben, welche Entscheidungen WIR getroffen haben, sondern nur das kleine Pünktchen, was eben nicht so aussieht, wie wir es wollen.

Das strahlt auch auf unsere Mitmenschen ab. Wer sich ständig mit anderen vergleicht oder das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein, färbt seine Umgebung negativ:

Man konzentriert sich auf die Dinge, die schlecht laufen, wird neidisch, zweifelt und verliert den Bezug zu sich selbst und den wunderbaren Dingen, die uns im Leben bereits umgeben.

Und dann wird alles schlimmer.

Tipp: Mir hilft es, wenn ich aktiv aus der Situation rauszoome und versuche, das große Ganze zu sehen; mir überlege, was ICH JETZT SCHON verändern könnte (z. B. eine Pause machen), mir Schritt 1-9 noch einmal vor Augen führe und ganz bewusst dankbar bin, für all das Große und Kleine, das mir jeden Tag begegnet.

Tolle Hilfen:

  • Inspirationskarten von der Zeitschrift Happinez – man zieht jeden Morgen eine Karte mit seiner Gefühlshand und lässt sich von dem Spruch am Tag begleiten. Heute hatte ich z. B.: „Jeder Tag ist ein guter Tag.“
  • Buch: Die Kuh, die weinte* – Buddhistische Weisheiten über den Weg zum Glück, von Ajahn Brahm. Der Mönch erzählt kurze Geschichten, in denen er moderne, lebensnahe Themen wie Trauer oder Perfektionismus mit uralten Weisheiten und eigenen Erfahrungen verknüpft. Dieses Buch hat mir so einige AHA-Momente beschert und ganz oft kann mir der Gedanke: „Achso, so einfach ist das?“ Ja, so einfach kann es sein. Wunderschön!
  • Tagebuchschreiben, ggf. mit kleinen Denkanstößen. Ich stelle mir z. B. folgende Fragen vor dem Schlafengehen: Auf was habe ich heute bewusst verzichtet? Was habe ich heute trainiert/geübt bzw. wo habe ich mich weiterentwickelt? Was habe ich heute für mich selbst getan? Und was für andere? Fühle ich unterdrückte Emotionen? Was war alles gut heute?  (Aus dem Buch The gifts of imperfection* von Brene Brown – meine absolute Selbstliebe-Fibel)

Schritt 11: Kreativ sein

Es ist schwierig, Zeit für etwas zu finden, das uns Freude bereitet, wenn wir viel Energie darauf verwenden, uns mit anderen zu vergleichen, zu konkurrieren – und irgendwie reinzupassen.

Dabei drückt Kreativität unsere Originalität aus und lässt sich nicht vergleichen. Wenn wir kochen, schreiben, zeichnen, tanzen, dekorieren, musizieren – also etwas kreieren -, dann machen wir das für uns und nur das schafft Bedeutung in unserem Leben.

Frage dich: Wann verlierst du das Gefühl für Zeit und Raum? Worin gehst du richtig auf?

Räume dir genau dafür mindestens einmal pro Woche Zeit ein, ganz ohne ein Ergebnis zu erwarten. 

Schritt 12: Loslassen

„Es zählt nur das, was wir durch Anstrengung erreicht haben. Wir müssen Gas geben, etwas beweisen.“

Kennt ihr diesen Satz oder einen in dieser Art? Vielleicht flüstert ihr euch das ganz unbewusst auch selbst zu?

Vergesst ihn ganz schnell!

Natürlich kommt von Nichtstun auch nichts, doch wir müssen nicht über unsere Grenzen gehen, mithalten und uns in etwas hineinpressen, das wir eigentlich gar nicht wollen.

Die besten Resultate entstehen meist dann, wenn wir uns die Erlaubnis geben, uns nicht anzustrengen, uns nicht ständig verbessern zu müssen, sondern uns auf das konzentrieren zu dürfen, was uns erfüllt. So ist es jedenfalls bei mir.

Niemand kann einem sagen, was gut oder schlecht ist. Das können wir nur selbst tun. Selbst eine Therapie oder ein Guide ist nur ein Werkzeug. Unseren Weg gehen, müssen wir am Ende immer selbst. Und das ist gut so!

Mehr dazu in diesen Artikel:

„Wir müssen nicht immer „nützlich“ sein. Unser Wert hängt nicht davon ab, was wir leisten, wie viel wir schuften, welche Noten wir bekommen, wie vielen anderen wir es recht machen. Wir sind wertvoll, auch wenn wir nichts tun. (…) Nichts Bestimmtes erreichen, nichts Bestimmtes werden wollen. Nur sein und werden, was man wirklich ist.“ (Quelle: Facebook-Seite von MyMonk)


Und mit diesem schönen Gedanken schließe ich diesen Text und hoffe, euch an meiner Reise ein wenig mitgenommen zu haben – und vielleicht hat sich ja bei euch auch ein Propfen im Kopf in punkto „mit anderen vergleichen“ gelöst. Das würde mich sehr freuen. 

Love, Sina

*Hinweis zu Affiliate-Links: Wenn du über den mit einem Sternchen gekennzeichneten Link, das von mir empfohlene Produkt kaufst, erhalte ich eine kleine Privision. Du zahlst dafür selbstverständlich nicht mehr und an meiner Meinung ändert das nichts. Ich danke dir für deine Unterstützung.

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