Wieso vergeht die Zeit so schnell? 13 Tipps, wie wir sie anhalten können

Wir haben das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht, je älter wir werden. Woran liegt das – und vor allem: können wir die Zeit komplett anhalten? Mein Fazit vorweg: Jein. Stoppen können wir sie nicht, aber verlangsamen. Doch das bedeutet Arbeit. Ein Erfahrungsbericht.

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Der Sommer ist vorbei, die Blätter färben sich golden, es wird früh dunkel, spät hell. Weihnachten naht. Das neue Jahr steht vor der Tür. Wieder ein Jahr rum. Wie kann das sein?

Wieso vergeht die Zeit so schnell?

Auch ich habe mich das oft gefragt – und frage mich das manchmal noch immer. Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Wir messen der Zeit eine zu starke Bedeutung bei, sind zu sehr auf Ergebnisse getrimmt, nehmen zu wenig wahr und wagen kaum Neues.

Kurz: Wir befinden uns zu selten im Hier und Jetzt.


Kennt ihr diese Gedanken auch?

  • Ich habe nur sechs Stunden geschlafen. Ich konnte zwei Stunden nicht einschlafen
  • Ich habe noch zwei Stunden aufgeräumt.
  • Ich habe wieder zehn Stunden gearbeitet.
  • Ich habe gestern Abend drei Stunden gebastelt.
  • Hoffentlich ist bald wieder Wochenende. Endlich Freitag. Schon wieder Montag.

Schlafwandeln und Turbo-Gang

Wann haben wir angefangen, so viele Stunden und Tage an uns vorbeiziehen zu lassen und so viele Tätigkeiten in Form von Zeit zu bewerten?

Bei all dem Planen, den Terminen und den To-Do-Listen sind wir doch nie am Ziel, nie richtig fertig. Zeit ist vergangen, aber kein Ergebnis ist da oder zu wenige davon. Weitermachen. Immer weiter.

Oder: Aufschieben, ablenken, monoton arbeiten, daliegen. Routinen, Klick klick. E-Mails, Facebook, Instagram, Netflix. Noch eine Folge, Pizza bestellen, nicht genießen. Alles wie Nebel, schnell vorbei. Und wieder von vorn.

Seit wann setzen wir uns selbst so unter Druck? Wann haben wir aufgehört, einfach etwas zu tun und dieses nicht am Ergebnis zu bemessen, nicht auf die Uhr zu schauen, sondern einfach zu machen, mit all unserer Aufmerksamkeit – und zwar jeden Tag?

Und seit wann muss alles auf Anhieb funktionieren, seit wann gibt es so wenig Probieren, Verwerfen, Wachsen?

Seit vielen Jahren.

Hier am Mawun Beach auf Lombok verging die Zeit sehr langsam
Einfach nur sein. Wir hier am Mawun Beach auf Lombok

Wieso die Zeit langsamer verging als wir jünger waren

Als Kinder waren wir anders, so neugierig, wissbegierig. Wir wollten lernen, alles war aufregend. Wir probierten aus, fielen hin, standen auf. Juhu.

Wir spielten stundenlag mit Steinen oder Stöckern, wagten uns an neue Hobbies, übten, vergaßen alles um uns herum, wenn wir Gitarre spielten, Ballet tanzten, Fußball trainierten oder Musik hörten.

Dann kam die Schule, später die Noten, die Ergebnisorientierung, das Pauken ohne Anfassen. Der Rahmen wurde enger. Doch die Zeit kroch dahin, die Zukunft war offen.

Und dann der Abschluss. Ausbildung oder Studium? Nochmal ein kurzer Stopp, Freiheiten genießen, sich erwachsen fühlen, neue Menschen kennen lernen. Jedes Semester ist anders, an die Prüfungen will man nicht denken, also lebt man lieber jetzt, bis der Turbo-Schalter wieder zupackt.

Dann heißt es: Nur keine Zeit verlieren, schnell arbeiten. Man muss ja schaffen, was erreichen, was leisten, was werden. Vielleicht ein paar Monate reisen zwischendurch, aber dann wirklich Gas geben. Bloß nicht faul sein, bloß nicht auf der Stelle treten. Weitermachen.

Aber wofür?

Wieso wir selbst dafür verantwortlich sind, dass die Zeit so schnell vergeht

Wir laufen schon, während wir noch liegen, wir frühstücken, während wir eigentlich noch unter der Dusche stehen. Wir sind schon auf der Arbeit, während wir noch Wochenende haben und sind im Wochenende, während wir auf der Arbeit sitzen.

Der nächste Punkt auf der Liste wartet, der Tab im Browser ist schon geöffnet. Bloß keine Zeit verlieren.

Wir kaufen Induktionsherde, damit das Wasser schneller kocht. Mikrowellen, damit das Essen schneller warm wird. Autos, damit wir schneller von A nach B kommen. Schneller. Schneller. Schneller.

Wir haben das Handy ständig bei uns, sind immer erreichbar. Alle anderen auch. Wir können online einkaufen, Reisen buchen, das Konto checken, uns verlieben – wir machen und machen, ohne es wirklich zu merken. Jedenfalls viel zu viele Stunden.

Warum?

Wir starren ständig auf die Uhrzeit – ob am Morgen, auf der Arbeit oder am Abend, ob beim Warten auf die Bahn oder an der Supermarktkasse. Wir lenken uns ab, sind in Gedanken woanders.

Entweder vergeht alles zu schnell oder zu langsam.

Wir verfallen immer weiter in Routinen, wagen wenig Neues, scheuen Herausforderungen. Wir erleben wenig. Und sind trotzdem gestresst, weil wir uns viel zu oft beeilen. Wir wollen, dass endlich Wochenende ist oder der Urlaub naht.

Wir wollen also, dass die Zeit schnell vergeht. Und das tut sie auch: die Zeit verfliegt.

„Erlebt man wenig Neues, Aufregendes, bleiben auch weniger Erinnerungen, und im Rückblick erscheint die Zeitspanne kürzer.“

Marc Wittmann vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg in einem Interview mit Zeit Wissen.

Können wir die Zeit anhalten?

Viele Menschen registrieren, dass die Zeit an ihnen vorbeirast und legen handyfreie Stunden ein, meditieren – und merken dann erst, wie hart es ist, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Auch Arbeitgeber reagieren, setzen auf flexible Arbeitszeiten, auf Home-Office, schaffen Freiraum für Kreativität … Und trotzdem bleibt sie an uns kleben, viel zu oft, die Zeit, weil alle von uns Erfahrungen mit dem Turbo-Schalter gemacht haben – und weil wir diese nicht einfach über Bord werfen können.

Doch dann sind da die Momente, in denen Zeit keine Rolle spielt, wenn wir mit unseren liebsten Freunden zusammen sind, wenn wir ein Wochenende in der Natur verbringen, auf Festivals tanzen, Gitarre spielen, im Urlaub sind, das Sonntagsfrühstück genießen, ein aufregendes Arbeitsprojekt angehen, unsere Lieblingssport machen, uns in ein frisch bezogenes Bett lümmeln, in eine Roman eintauchen, etwas Neues lernen, Zug fahren und aus dem Fenster schauen, verliebt sind,  …

Kurzum: Wenn wir uns erlauben, einfach da zu sein und alles wahrzunehmen.

Plötzlich fühlt sich der Tag lang an, die Gedanken haben Platz, der Herzschlag auch. Unser Körper füllt sich mit Energie, wir sind ganz ruhig, denken nicht an Morgen oder Gestern oder an irgendwas anderes als an diesen Moment.

Was ist anders?

Der Schlüssel dazu, dass die Zeit nicht so schnell vergeht: Muße!

Diplom-Psychologe und Achtsamkeitsforscher Prof. Dr. Stefan Schmidt in erklärt diesen Zustand in der Zeitschrift Happinez wie folgt:

„Muße entsteht, wenn es uns gelingt, uns dem Druck der Zeit zu entziehen und wir dies positiv empfinden. Wenn wir ganz in der Gegenwart sind und keinem Ziel hinterherrennen. (…) Ein erfülltes Tun in Freude und Gelassenheit – völlig unabhängig von einem Ergebnis. Das, was ich gerade mache, passt für mich.“

Zeit anhalten auf Lombok am Strand von Tanjung Aan
Einfach mal in den Himmel starren

Warum mehr Freizeit nicht automatisch die Zeit anhält

„Ich kündige und dann mach ich einfach nichts mehr. Dann hab ich ja ganz viel Zeit.“ Denkst du das gerade, für einen kurzen Moment?

Funktioniert nicht. Jedenfalls nicht automatisch.

Auf Reisen hatte ich Zeit, viel Zeit, doch sie zu haben, befreit nicht von all dem Druck, denn wir uns selbst machen.

Denn dort, wo ich alle Zeit der Welt hatte, merkte ich, wie ich manchmal aus dem Moment rutschte, und zwar dann, wenn ich mich von der Zeit abhängig machte: mich am Handy verlor, Yoga nicht mehr für mich machte, sondern einfach schnell „dazwischenschob“, ans Ende der ersten Reiseetappe dachte, daran, dass ich gar nichts „geschafft“ habe, dass ich gleichzeitig zu viel am Laptop saß, dass sowieso alles blöd ist …

Schon war ich gefangen in meinem Kopf. Die Zeit, der Ort, alles raste vorbei.

Das hat mir gezeigt: Vieles entwickelt sich allein durch unsere Gedanken. Für all das sind wir selbst verantwortlich, auch dafür, wie schnell die Zeit vergeht. Auch auf Reisen, ohne Job, ohne Aufgaben, ohne Ziel.

Niemand und nichts stiehlt einem die Zeit, außer man selbst. Doch man kann immer Stopp sagen.

Und dann, irgendwann, saß ich an einem Ort, an dem Zeit keine Rolle spielte. Kein Internet, nicht mal Strom. Unsere Handys waren schon lange aus, andere Uhren hatten wir nicht dabei. Ich baute mir ein Freiluftbüro und schrieb und schrieb und schrieb (so wie jetzt gerade auf Gili Layar). Finally.

Denn ich spürte schon lang den Drang, etwas zu tun, wieder zu arbeiten. Mein Kopf platzte vor Ideen. Doch ich wollte das nicht, ich wollte nicht am Laptop sitzen, ich wollte reisen, ich wollte mich entspannen. SOFORT!

Aber es gibt auch ein Dazwischen, gibt es immer, man muss sich nur entscheiden.

Die vielen Möglichkeiten, die sich uns immer zeitgleich bieten, bedeuten Stress. Wir neigen dazu, alles annehmen zu wollen, doch das können wir nicht – und beeilen uns bei einer Tätigkeit, um mehr Zeit für die andere zu haben. Und schon sind wir in Gedanken beim nächsten Punkt auf der Liste und verlieren den Blick für das, was jetzt ist.

Und dann, ja dann vergeht die Zeit so schnell.

Arbeiten am Strand von Gili Layar auf Lombok - und die Zeit wird angehalten

12 Tipps für mehr Muße im Alltag: Wie du es schaffst, dass die Zeit nicht mehr ganz so schnell vergeht

Die folgenden Schritte erprobe ich noch selbst, merke aber schon jetzt, wie gut sie mir tun –und wie es mich immer wieder in alte Gewohnheiten und Gedankenmuster zieht. Genau dann versuche ich mich nicht dafür zu verurteilen, sondern sehe diesen Veränderungsprozess als Training: Je öfter man übt, desto routinierter wird man auch – und irgendwann, ja irgendwann, wird man all die Dinge des Lebens mit mehr Muße tun.

Schritt 1: Hör mehr auf dein Gefühl

Egal ob du gerade einen Nachmittag frei hast oder auf der Arbeit bist – hör auf dich.

Arbeit: Steht etwas wirklich Dringendes an, das du erledigen musst oder kannst du schauen, wonach dir gerade ist? Ich z. B. bin morgens sehr produktiv und kann gut Organisatorisches erledigen. Dafür bin ich ab mittags kreativer, nach einem Spaziergang, wenn meine Gedanken schweifen durften. Mich zu zwingen, früh morgens in ein, zwei Stunden einen schönen Text zu schreiben, würde eher nach hinten losgehen.

Privat: Alle anderen gehen auf eine Party, du möchtest dir aber einfach was Leckeres kochen, in die Badewanne und früh zu Bett gehen? Oder genau umgekehrt? Versuche dich bewusst für dich selbst zu entscheiden. Für mich ist das immer wieder eine Herausforderung. Doch wenn ich auf mein Gefühl gehört habe, spüre ich sofort, dass es die richtige Entscheidung war – und die Zeit weniger schnell vergeht. Weil ich mich wohl fühle und genießen kann.

→Mehr dazu: Die Macht der Intuition – hör auf dein Gefühl, für dich!

Schritt 2: Versuche, bewusst(er) zu leben

Viel zu häufig stecken wir fest in der Vergangenheit, träumen uns in die Zukunft, stellen Hypothesen auf, „Was wäre wenn, …?“ – und sind in Gedanken versunken. Dadurch rast die Zeit an uns vorbei.

(→Mehr: Negative Gedanken machen – wie wir das Karussell stoppen können)

Schenke also dem, was du gerade tust, deine volle Aufmerksamkeit, ohne es zeitlich zu bewerten, dich zu beeilen, etwas schnell oder langsam zu machen. Einfach machen, nur diese eine Sache und erst dann die nächste.

Es ist erstaunlich, wie viel entspannter man dadurch wird und gleichzeitig nicht weniger „schafft“. Außerdem erhalten alltägliche Dinge wie Duschen, Aufräumen oder dein Hobby so wieder mehr Bedeutung.

Denn schon die kleinen Dinge können wir mit Muße tun. Und das gelingt uns leichter, indem wir dankbarer sind für das, was wir haben. Dann fühlt sich die Dusche wie ein Frischekick an und anschließend zaubern wir unser Lieblingsgericht und genießen all die Zutaten, die wir auf dem Markt gekauft haben … (→Mehr zu dem Thema Soulfood gibt es hier.)

Das erfordert Übung und vor allem Mitgefühl, für dich selbst. Wenn du dich dabei ertappst, dich wie in einem Tunnel zu fühlen, verurteile dich nicht, sondern:

Schritt 3: Atme, spüre, beobachte

Wenn du in Stress gerätst oder merkst, dass du in Gedanken versunken bist, beobachte dich, atme durch, spüre deinen Körper, deine Atmung und gib dir bewusst wieder mehr Raum.

„Aber ich muss doch weitermachen. Ich will nicht so viel grübeln. Was ist denn mit mir schon wieder los?“ Kennst du diese Gedanken?

Verurteile dich nicht für deine Unruhe, sondern registriere sie und lächel dir in Gedanken zu.

Du wirst sehen: Wenn wir nicht gegen uns selbst ankämpfen, sondern uns liebevoll behandeln, fühlen wir uns sofort leichter und nehmen das große Ganze wieder bewusster wahr.

3 tolle Achtsamkeitstrainer und – begleiter:

Zeit anhalten Tipps mit Flow AchtsamkeitsbuchFlow Achtsamkeitsbuch*: ein tolles Übungsbuch mit vielen hilfreichen Artikeln, Tipps und Illustrationen für ein bewussteres und kreativeres Leben.

 

 

Flow Ferienbuch mit vielen schönen Tipps wie man die Zeit etwas anhalten kann

Flow Ferienbuch* (das Buch von 2015 finde ich am besten): Im Urlaub erleben wir viele erste Male, lassen von all dem Druck los und genießen. Die Zeit scheint auf einmal stillzustehen – und jedes Mal schwören wir uns, dieses Gefühl mit in den Alltag zu nehmen. Leider klappt das nur selten. Das Flow Ferienbuch hilft mit vielen Übungen, tollen Interviews und Do-it-yourself-Anregungen dabei, die ersten Male wieder ins Wochenende oder den Feierabend zu holen. Wunderbar!

Headspace Meditation: Mithilfe dieser App habe ich angefangen, zu meditieren – und bin total begeistert! Die ersten zehn Sitzungen sind kostenlos. Im Anschluss kann man für einen kleinen Obolus ein Abo erstehen und erhält dafür viele verschiedene Meditationen zu allen erdenklichen Schwerpunkten wie Angst, Motivation oder Beziehungen – und obendrauf noch viele schöne Lebensweisheiten.

Meditation bringt mehr Achtsamkeit ins Leben und hält die Zeit an - wie hier am Strand auf Gili Layar in Lombok

Schritt 4: Schaff dir möglichst immer eine Atmosphäre, die dir gut tut

Schritt 5: Versuche dich nicht zu vergleichen

Ob auf der Arbeit oder im Privatleben. Du bist gut so wie du bist. Es gibt kein normal oder den einen Weg. Auch wenn uns das Werbung, Schule & Co. glauben lassen wollen. Wichtig ist, dass du dich wohl fühlst und hinter dem stehst, was du tust. Und das klappt nur, wenn du dich selbst akzeptierst, dir Mitgefühl schenkst und deine vermeintlichen Schwächen lieben lernst.

Schritt 6: Stell dir einen Wecker für anstehende Termine

Natürlich sind da Verabredungen, berufliche Termine oder organisatorische Aufgaben etc., die eingehalten werden wollen. Damit du nicht den ganzen Tag daran denkst, sondern dich auch anderen Dingen widmen kannst, stell dir eine Erinnerung, leg das Gerät beiseite und konzentriere dich ganz auf diese eine Sache, die vor dir liegt. Auf den Moment, denn nur das macht Sinn. Und nur das ist wichtig.

Schritt 7: Bei unliebsamen Aufgaben: machen oder lassen!

Musst du wirklich die Fenster putzen, die Bilderwand fertig machen oder oder? Wenn ja: Schieb diese Dinge nicht von To-Do-Liste zu To-Do-Liste, sondern fang jetzt an und mach es dir dabei so gemütlich wie möglich.

„Nichts ist anstrengender als die Aufgabe, mit der niemals begonnen wird.“ Gretchen Rubin, Autorin

Bei wiederkehrenden Aufgaben wie Putzen oder Waschen: Überleg doch mal, ob du dafür einen festen Tag die Woche einplanen könntest, möglichst nicht am Wochenende. So füllst du nicht automatisch deine freie Zeit mit Dingen, die erledigt werden müssen. Außerdem überlistest du so deinen inneren Schweinehund und einen Konflikt in Richtung „Ich müsste, aber ich will nicht. Soll ich oder soll ich nicht?“

Schritt 8: Früher ins Bett, früher aufstehen

Haha, dass ich das mal sage!! Ich bin der geborene Spätaufsteher, frühestens 9:30 Uhr hab ich es damals auf die Arbeit geschafft, am Wochenende bekam mich keiner aus dem Bett. Ich drehte mich immer noch dreißig Mal um. Abends kam ich nicht zur Ruhe, wollte nicht schlafen, aber verbrachte die Zeit auch nicht mit etwas, das mir gut tat.

Jetzt, auf der Reise in Lombok und Bali, gehe ich bewusster mit dem Flow: Ich spüre wie ich ab 20 Uhr müde werde, mache mich gemütlich fertig, lese noch ein paar Seiten und schlafe spätestens um 22 Uhr – und wache von allein morgens gegen 7 Uhr auf. Dann stehe ich einfach auf, sobald ich meine Augen zum ersten Mal aufschlage und brauche nicht mal mehr zwanzig Kaffee, um wach zu werden. (Dass ich das mal sage!!) Außerdem trinke ich wenig Alkohol, besonders nicht kurz vorm Schlafengehen.

Ich bin gespannt, wie ich das Zuhause in Hamburg mache, aber für Jetzt ist es genau das Richtige. 🙂

Schritt 9: Einfach mal nichts tun

Gedanken schweifen lassen, Wartezeiten genießen, Meditieren, Spazieren gehen, aus dem Fenster schauen, im Café sitzen … Ok, das ist nicht Nichtstun, aber es bringt dich zur Ruhe. Mindestens einmal am Tag, am besten so oft wie möglich, sollten wir uns diese Auszeiten nehmen, in denen wir uns nicht ablenken.

Dadurch entzerren wir die Zeit und leben im Moment.

Schritt 10: Dankbarkeitstagebuch führen

Du wirst überrascht sein, wie viele tolle Momente ein Tag birgt, wenn man sich diese vor dem Schlafengehen bewusst vor Augen führt: Das Lächeln eines Kindes, der laue Wind auf der Haut, die liebe Nachricht einer Freundin oder der Lachanfall mit deinem Partner – alles Dinge, die uns ein schönes Gefühl geben und die Zeit anhalten.

Schritt 11: Routinen infrage stellen, die dir nicht gut tun

Jeden Sonntag verlierst du dich auf Netflix, doch hattest eigentlich Lust raus zu gehen, zu zeichnen oder Gitarre zu spielen?

Jeden Abend trinkst du dein Feierabendbier, jeden Morgen fünf Kaffee, nach Feierabend bist du zu müde, schaltest den Fernseher ein und lässt dich berieseln, …? Doch eigentlich ist dir nach Laufen, nach Badewanne, nach Yoga, nach etwas anderem, das dir Energie gibt?

Versuche deine Routinen zu hinterfragen, wenn du merkst, dass sie dir Zeit stehlen. Hör auf dein Gefühl, wo wir wieder bei Punkt 1 wären. Und wenn du doch etwas machst, von dem du genau weißt, dass es nicht das Gesündeste oder Nützlichste ist: Tue es mit Genuss! 🙂

Schritt 12: Veränderungen zulassen

Dabei geht es nicht nur um kleine Routinen, sondern auch um größere Gewohnheiten. Lass nicht zu, dass du dir selbst Zeit durch etwas stiehlst, dem du wirklich nichts Positives (mehr) abgewinnen kannst.

Du steckst in einer Arbeit fest, die dir schon lange nichts mehr gibt oder wo du sogar mit Mobbing zu kämpfen hast? Du triffst dich alle paar Wochen mit einer Freundin, obwohl ihr euch eigentlich nicht mehr viel zu sagen habt? Du bist immer sofort zur Stelle, wenn jemand Hilfe benötigt, dabei brauchst du selbst ein bisschen mehr Zeit für dich?

Versuche dich mit dem Gedanken anzufreunden, dass du nicht immer zu allem Ja sagen musst, sondern dass du dich verändern darfst. Das ist dein Leben.

Schritt 13: Erste Male erleben

Der erste Kuss, das erste Mal Reisen, die ersten Wochen in der neuen Wohnung, der erste Sonnenaufgang – erste Male sind etwas ganz Besonderes und bleiben uns lange in Erinnerung, weil sie mit intensiven Emotionen verknüpft sind. Der ultimative Tipp, damit die Zeit nicht mehr ganz so schnell vergeht, ist also: Raus aus der Komfortzone, rein ins Abenteuer. Und wenn das „nur“ bedeutet, einen anderen Weg zur Arbeit zu gehen.


Liebste Grüße aus Bali, Sina

In welchen Momenten hast du das Gefühl, die Zeit anhalten zu können? Ich freue mich über deine Ideen in den Kommentaren.

 

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Schule, Studium, Arbeit, immer weiter, immer mehr. 2016 habe ich Stopp gesagt, meinen Job gekündigt und bin in die Welt gezogen. Das war die beste und härteste Entscheidung meines Lebens. Denn ich bin: Mutig & angstlich. Ferndurstig & heimwehplagt. Kreativ & perfektionistisch. Rebellisch & hochsensibel. 2 Herzen in einer Brust? Ich hab tausend. Und darüber schreibe ich, für dich. Weil wir alle uns die Freiheit nehmen sollten, wir selbst zu sein.

6 Kommentare zu “Wieso vergeht die Zeit so schnell? 13 Tipps, wie wir sie anhalten können

  1. Liebste Sina, ein toller Text mit tollen Gedanken! Du hast mich abgeholt. Vielen Dank für die Inspiration. Umarmungen nach Bali, deine Grundschulfreundin Jenni <3

    • Hach Jenni, freu mich so. Mein erster Kommentar. Und dann auch noch von dir!! 🙂 <3 Danke dir für deine Worte. Und gaaaanz viel Wärme und schöne Gedanken nach Deutschland.

  2. Danke für diesen schönen Text.

  3. Echt ein super Text! Meine Zeit läuft mir nämlich so schnell, dass ich dringend was dagegen tun muss ;D und da war dein Artikel ein guter Gedankenanstoß! LG, Sarah

    • Liebe Sarah, danke dir für dein Feedback, das freut mich total, dass ich dich ein wenig inspirieren konnte! Genieß die Zeit. 🙂

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